Würdest Du? Offene Worte zu “Vorsicht Asylanten – Gegner”


Der Facebook-User aus dem vorangegangenen Artikel “Vorsicht Asylanten – Gegner” hat uns in seinem Verlauf eine Klarstellung geschrieben. Er meinte mit dem Aufruf nicht, man sollte sich gegen Ausländer und Flüchtlinge wehren. Sondern gegen die Standorte der Container. Firmen hätten Angst ihre Laufkundschaft zu verlieren. Die neuen Behausungen sollten lieber auf freie Flächen oder auf dem Bauhof gestellt werden, aber nicht in Wohn- und Industriegebieten.

Man sollte im Zuge eines solchen Aufrufs immer bedenken: Wer liest mit und wie wird es aufgenommen. Dass es schnell zu Missverständnissen kommen kann weiß jeder. Klare Definition wäre öffentlich immer angebracht. Manche Kommentare im Verlauf waren auch unangemessen. Da es im selben Zuge auch noch eine Petition aus Tostedt zu diesem Thema gibt, sind alle Augen natürlich auf Tostedt gerichtet!

Containerdörfer sind nicht schön. Vom Anblick mal abgesehen. Diese Menschen, die darin wohnen sollen, sind dadurch noch zusätzlich abgestempelt. Und die finden das alles mit Sicherheit auch nicht schön. Viel einfacher für sie und unsere Bürger wären Einzelunterkünfte mitten unter uns. Nachbarschaftshilfe wäre schön, denn der direkte Kontakt und das Kennen lernen einer fremden Kultur wäre doch für jeden von Vorteil. Abgekapselt von der Zivilisation trauen sich diese Menschen, die einen verdammt weiten und steinigen Weg hierher hatten und ständig in Angst lebten und mit Sicherheit auch an Flüchtlingslagern erinnert werden, nicht viel in die Menge, wo sie vielleicht auch noch angefeindet werden. Und damit bleiben sie unter sich und lernen uns und unsere Sprache nicht kennen. Alle reden immer davon „Die sollen erst mal unsere Sprache lernen“, ja wie denn, wenn keiner mit ihnen spricht? Hätte einer von uns da noch Lust oder Kraft nach all den Strapazen? Die sind froh dem Krieg entkommen zu sein und dass etwas Stille herrscht. Von den ganzen Traumatisierungen mal abgesehen. Viele unserer Eltern sind auch Flüchtlinge, fragt die bitte mal wie es war. Die sind noch mit ellenlangen Trecks mit Pferd und Wagen oder zu Fuß hierher gekommen. Die Angst und die Entbehrungen werden die Selben sein. Wie würde es denn uns heute gehen?

Jetzt mal schlicht und einfach gesehen: Du musst nicht flüchten, weil kein Krieg ist. Du hast Familie und gute Freunde. Du hast Arbeit. Du hast ein Haus. Alles gut. Du wirst arbeitslos und kannst die Kreditraten fürs Haus nicht bezahlen oder schlimmer. Es brennt ab. Keiner verletzt. Du hast nur noch das auf Deinem Leib. Was tun für den ersten Moment? Die meisten versuchen bei den Freunden unter zukommen. Spätestens in einer Woche ist die gute Freundschaft in Gefahr, weil man sich auf dem Senkel geht. Schnell etwas anderes zu finden ist schlecht. Überlege jetzt mal die Lauferei zu den Ämtern und Versicherungen. Spendenaufrufe werden gestartet, aber wohin mit den Sachspenden? Hilfe von der Kommune ist noch schlechter. Außer es steht ein Container frei. Würdest Du da einziehen wollen auch wenn die Nachbarn Deutsche wären, die ein „ähnliches“ Schicksal haben? Nicht jeder hat genug Geld um in ein Hotel zu ziehen und für wie lange? Und viele Freunde haben nicht genug Platz. Aber für die größte Not? Würdest Du freiwillig dahin, abseits von allem Geschehen? Nein! Es ist unter Deiner Würde! Es gibt bestimmt eine andere Möglichkeit…

Was ist mit der Würde der Flüchtlinge und Ausländern?