Flüchtlinge in Buchholz


Heute fand der vom Bündnis für Flüchtlinge in Kooperation mit der St. Johannis Gemeinde geplante
Tag der Begegnung mit den in Buchholz untergebrachten Flüchtlingen statt.
Schon an der Planung nahm ich teil und stellte fest, das wird ein schöner Tag.

Ein Austausch zwischen den Flüchtlingen und den Bürgern der Stadt sollte es werden, doch es wurde noch viel mehr. Ute Schui – Eberhart hielt eine kurze Willkommensrede.  Der Pastor der St. Johannis Gemeinde las den Kindern unserer neuen Nachbarn Weihnachtsgeschichten vor und Monika Minio sang und musizierte mit ihnen. Bei selbstgebackenem Kuchen und Plätzchen, wurden fantastische Gespräche mit den Flüchtlingen geführt.
So viele interessierte und neugierige Bürgerinnen und Bürger und auch Mitglieder des Bündnisses für Flüchtlinge waren in Gesprächen mit ihren neuen Nachbarn vertieft. Oliver Sander vom Nordheide Wochenblatt hatte ebenso Spaß daran sich intensiv mit den Flüchtlingen zu unterhalten wie Hartmut Ludwig (Kultur Bahnhof Holm – Seppensen).
Auch Gegengift Aktivistin und Autorin Bärbel hat sich mit Syriern angeregt unterhalten und wichtige Informationen für die Flüchtlingsarbeit mitgenommen.
Ich selbst habe mich mit Flüchtlingen aus der Bremer Straße unterhalten, die schon etwas länger bei uns sind, und ich war überrascht wie gut teilweise ihr Deutsch ist. Sehr angeregt habe ich mich mit Fadi und Ahmed, beide aus Syrien, unterhalten. Mir lagen dabei auch Fragen am Herzen wie:
Ist alles okay bei euch und auch in den Unterkünften?
Gibt es Dinge die ihr gerade dringend benötigt?
In den Unterkünften ist alles okay und sie fühlen sich wohl. Fadi durchläuft ein wahrlich hartes Programm an schulischer Weiterbildung, aber auch auf eigenem Wunsch.
Und es kommt in den Gesprächen immer wieder zum Tragen dass der zu tätigende Schriftverkehr eine schwere Last ist für alle. Hier wird auch weiterhin nach Unterstützung gesucht.

Fadi und ich haben uns auch über die Politik in Syrien ausgetauscht und ich merkte das es ihm weh tat über die Zerstörung die in seiner Heimat stattfindet zu sprechen, aber er wollte gern darüber sprechen.
Und zu guter letzt haben ich sogar arabisch lernen dürfen und man hat mir auf arabisch dann die Aussprache von Vater, Bruder oder Onkel beigebracht.
Es wurde aber auch sehr deutlich, dass unsere neuen Nachbarn unbedingt Kontakt zu uns haben möchten. Ich bin gern bereit den Kontakt zu halten, denn ich bin ebenso neugierig was die kulturellen Angelegenheiten unserer neuen Nachbarn angeht wie sie selbst.

Alles in allem stelle ich fest, es liegt viel Arbeit vor uns, aber mir macht diese Arbeit schon jetzt Spaß.
Der Tag der Begegnung war ein Erfolg, der unbedingt wiederholt werden sollte, und ich denke das sehen die Flüchtlinge ebenso.

Von diesem schönen Erlebnis zu einer anderen Seite die ich schon länger feststelle, wir neigen zum Vorverurteilen.
In den nächsten Tagen erwarten wir in Buchholz  neue Flüchtlinge, die einen langen beschwerlichen und ebenso gefährlichen Weg hinter sich haben. Ja, es sind in der Regel Männer zwischen 18 und 35 Jahren, die Erklärung warum das so ist, liefert die heutige Ausgabe der Kreiszeitung Wochenblatt. Meine Hoffnung geht dahin, dass man mit dieser Erklärung das Informationsdefizit welches durch die Behörden und Kommunen entstanden ist, verschwinden lässt.
Dennoch sind die Flüchtlinge schon jetzt einer Vorverurteilung ausgesetzt. Entstanden ist diese Vorverurteilung durch die rechte Propagandamaschine, die seit einiger Zeit durch das Land zieht. Die Flüchtlinge werden schon als kriminell betitelt, obwohl sie niemand kennt und dazu noch nicht einmal hier bei uns sind.
Ein Vorverurteilungsrecht gibt es in der deutschen Rechtsprechung nicht!
Was es aber gibt, ist die Unschuldsvermutung!

Das bedeutet:
Jeder Mensch, der einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, ist solange als unschuldig anzusehen, bis seine Schuld in einem öffentlichen Verfahren, in dem alle für seine Verteidigung nötigen Voraussetzungen gewährleistet waren, gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist“.
In den Ländern des Europarats wird er darüber hinaus gewährleistet aufgrund von Art. 6 Abs. 2 der europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK):
„Jede Person, die einer Straftat angeklagt ist, gilt bis zum gesetzlichen Beweis ihrer Schuld als unschuldig.“
Niemand sollte sich anmaßen Richter zu spielen. Richter sind die Menschen, die dazu ernannt wurden, von Rechtswegen, nicht die, die meinen sich selbst dazu zu ernennen.
Leben wir in einem Land in dem das nicht gültig ist?
Nein, wir leben in einem Land in dem das absolut gültig ist!

Woher nehmen sich also Menschen das Recht andere Menschen so zu behandeln?
Und warum dürfen diese Propagandamaschinen geltendes Recht verletzten ohne dafür sanktioniert zu werden?

Wir laufen Gefahr in eine Spur zu geraten die uns seit 1939, bis heute belastet. Ich gehe davon aus, dass wir Minderheiten aus der rechten Ecke nicht noch einmal Folgen werden, denn wir sind eine Mehrheit. Eine Mehrheit, die es in der Hand hat gewaltfrei einen Riegel davor zu schieben.

Ich nehme mir das Recht heraus vor der Gehirnwäsche der rechten Propagandamaschine zu warnen. Egal ob es rechtslastige Parteien, Organisationen oder Mitläufer sind, man sollte auf deren Masche nicht hereinfallen.

Selbst wenn es kriminelle Fälle geben sollte, so sollten wir auch mal darüber nachdenken ob wir diese Fälle nicht sogar provozieren.
Flüchtlinge, die jetzt bei uns ankommen, kommen nicht zu uns mit dem Vorsatz gewalttätig zu sein, Einbrüche oder Diebstähle zu begehen.

Ich wünsche mir für uns alle eine menschliche Willkommenskultur, der wir in Buchholz mit dem Bündnis für Flüchtlinge und den erstaunlich vielen ehrenamtlichen und freiwilligen Helferinnen und Helfern gerecht werden. Außerdem wünsche ich mir, dass wir ein menschliches Verständnis für die zu uns gekommenen und zukünftig ankommenden Flüchtlinge entwickeln.

Uwe Schulze