Ägypten? Walter? Rembrandt!


Wenn in meiner Jugend jemand nur Bahnhof verstanden hat, also nichts, wurde mit „Ägypten? Walter? Rembrandt!“ zurückgefragt. Das stammt aus Otto Waalkes „Rembrandt-Quiz“ weit vor dem PC-Alltag.

Mittlerweile geht es mir schon fast jeden Tag so. Ägypten? Ich habe fast schon jeden Tag den gefühlten Montag. Walter? Oder bin ich einfach nur verqueer? Rembrandt!

Nö, ich glaube nicht! Im Zeitalter der „großen Schere“ wo arm und reich immer weiter auseinander geht, kapieren es viele immer noch nicht, dass man einige Aktivitäten einfach mal sein lassen sollte, um den Unmut der Mitmenschen nicht weiter zu schüren.

Da gibt es Veranstaltungen, die man als „Normalo“ nicht mitbekommt, weil man ja keine Einladung bekommen hat. Die anschließende Berichterstattung, mit großzügigen Hinweisen auf die Sponsoren, fällt dementsprechend üppig aus. Ich weiß leider noch nicht, wer denn nun „Mausi“ und „Mörtel“ in unserer Stadt ist. Um mal einen Vorschlag aus einem Kommentar des Buchholz Express zu übernehmen, sollten die Bürger und Bürgerinnen die Beiden wählen und alle sollten zu so einem Opernball gehen dürfen und sich die goldbeladene Wurst „reinziehen“!

Ich habe schon früh die Armut anderer Menschen in anderen Ländern mitbekommen und finde es absolut beschämend, dass es uns, einer Industrienation, jetzt auch so geht. Wobei es manchen Ländern, die ich besuchen durfte, jetzt bald besser als uns geht. Freut mich einerseits für die Nationen, anderseits haben wir es auch bezahlt…

Ägypten? Ja, da war ich auch. 14 Jahre alt, blond und 5000 Kamele noch wert. Ich bin damals zeitgleich in Kairo mit dem Schah von Persien gelandet, der dort ins Asyl ging. Von den damaligen Straßenschlachten und den ganzen MP’s an jeder Ecke will ich nicht schreiben. Eher von den Menschen in diesem Land. Von den Touristen, die die Wandmalereien der Gräber abkratzten, ob das auch alles echt ist. Mittlerweile sind da schon Glasscheiben vor! Die von der Cheopspyramide mindestens 8 Meter abgetragen haben als Souvenir bis man nicht mehr raufkraxeln durfte. Walter? Ist das die Natur des Touristen? Ich war in der Pyramide und es war ein tolles Erlebnis! Nicht so toll war meine Begegnung mit zwei Kindern auf einem Müllberg hinter dem „Hilton-Hotel“ in Kairo, die nach etwas essbarem für ihre Familie suchten. Und sie waren nicht die Einzigen! Da fing mein blondes Köpfchen an zu rattern. Rembrandt!

Ein paar Jahre später bin ich mit Pferd und Wagen durch Irland gereist. Ich war auch in dem „höchsten Pub“! Tolle Aussicht! Als uns unterwegs die Milch sauer wurde, wir hatten ja keinen Kühlschrank, wollten wir die Packung wegschmeißen. Eine Frau bat uns diese ihr zu geben. Wir dachten erst für die Katze. Nö, sie wollte daraus eine Mahlzeit kochen und bat uns in ihr Wohnzimmer.  Meine Augen wurden groß wie Rückscheinwerfer und tränten fürchterlich! Im Wohnzimmer standen alte rostige Gartenstühle mit Plastikflechtwerk, so wie früher eben. Das war die Einrichtung dieser Familie. Von der Toilette schreibe ich nicht. Wir hatten unterwegs davon mehr als genug Plumpsklos…

Als dritte bewegende Reise, denn ich habe und werde ja längst nicht alles  Schreckliche beschreiben, nur mal so einpaar Anrisse, war die Dominikanische Republik. Damals gab es nur ein All-Inclusive-Hotel in Puerto Plata und die Hotels durften nicht höher als drei Stockwerke gebaut werden. Was für ein Traum heute…!
Die Drogen-Kriminalität war da schon sehr hoch. Die Hotelanlagen waren eingezäunt und mit MP’s bewacht. Verlassen der Anlagen ging nur mit Touristenführern oder Hotelangestelle sozusagen als Schutz. Ein deutsches Ehepaar war alleine mit ihrem Jeep unterwegs. Sie kamen nicht wieder. Sie wurden ermordet. Am Wochenende kamen die Kanadier mit dem bekannten Schiff “Loveboat“ in die Hotels geströmt. Für die war „Dom. Rep.“ so wie für uns „Malle“. Eine Spaßhochburg. Dass die Händler dann die Preise mehr als verdoppelten, konnte ich gut nachvollziehen. Denn diese Leute vom Schiff legten sich doch glatt schwer goldbehangen an den Strand. Ohne Anstand den armen Menschen gegenüber.

Ich bin immer noch blond und mein Kopf rattert auch immer noch, aber ich habe mittlerweile auch ganz viele Würgreize. Wie Menschen mit Menschen umgehen, unfassbar!

Was ist aus den Menschen geworden? Wo ist der Zusammenhalt? Das Verständnis? Die Nächstenliebe?

Na, ich bin ja auf die nächste weiße dekadente Feier gespannt. Im Gegenzug werden wir von GEGENGIFT wieder das Schwarze Dinner veranstalten. Am 19. Juli 2014 auf der Rathauswiese sehen wir uns hoffentlich! Ich freue mich jetzt schon!